Seit Kunden Fragen an ChatGPT, Claude oder Perplexity stellen statt an eine Suchmaschine, gibt es ein neues Verkaufsargument: Man müsse seine Website jetzt „für KI optimieren“, und dafür brauche es natürlich Hilfe. Das meiste davon ist Geschäftemacherei.
Die ehrliche Auskunft lautet: Es gibt keine Geheimtechnik, mit der man sich in KI-Antworten einkauft. Es gibt aber eine Handvoll Dinge, die man falsch machen kann — und die sorgen dafür, dass eine Website für diese Systeme schlicht nicht existiert. Genau dort lohnt sich der Blick.
Erst prüfen: kommen die Systeme überhaupt an Ihre Seite?
Das ist der Punkt, an dem Websites tatsächlich scheitern, und er hat nichts mit Inhalten zu tun. Zwei Stellen entscheiden darüber:
- Die Datei
robots.txtauf Ihrer Domain. Dort steht, welche Bots willkommen sind. Ein pauschales Aussperren steht überraschend oft drin, weil es irgendwann jemand aus Vorsicht eingetragen hat. - Der Schutz Ihres Anbieters. Das ist die unbekanntere und inzwischen wichtigere Falle. Cloudflare, über das ein erheblicher Teil aller Websites läuft, blockiert KI-Crawler seit September 2026 standardmäßig — für neu hinzukommende Domains und für bestehende Kunden im kostenlosen Tarif. Dann nützt die freundlichste
robots.txtnichts, weil die Anfrage nie bei Ihrem Server ankommt.
Rufen Sie ihre-domain.de/robots.txt im Browser auf und sehen Sie nach, ob dort ein Disallow für die unten genannten Namen steht. Für die zweite Stelle braucht es einen Test, der sich als Bot ausgibt — das übernehme ich gern, es ist eine Sache von Minuten. Auf dieser Website kommen alle unten genannten Crawler durch; das ist geprüft und kein Zufall.
Wer da eigentlich klopft
Diese Namen auseinanderzuhalten ist wichtig, weil sie Unterschiedliches tun. Wer alles sperrt, was nach KI aussieht, sperrt auch das weg, was ihm Besucher bringen würde.
| Name | Gehört zu | Wofür |
|---|---|---|
GPTBot | OpenAI | Sammelt Inhalte für das Training |
OAI-SearchBot | OpenAI | Der Index hinter ChatGPTs Suche. Gesperrt heißt: nicht in den Antworten |
ChatGPT-User | OpenAI | Holt eine Seite, weil ein Nutzer gerade danach fragt |
ClaudeBot | Anthropic | Sammelt Inhalte für das Training |
Claude-SearchBot | Anthropic | Für die Suchfunktion |
Claude-User | Anthropic | Abruf auf Zuruf eines Nutzers |
PerplexityBot | Perplexity | Index für die Antwortsuche |
Google-Extended | Nur für Gemini. Betrifft die Google-Suche nicht | |
Googlebot | Die normale Suche — und damit auch die KI-Übersichten | |
bingbot | Microsoft | Bing — und damit auch Copilot |
Die letzten drei Zeilen sind die wichtigsten. Für die KI-Funktionen von Google und Microsoft gibt es keinen eigenen Crawler: Googles KI-Übersichten und Microsofts Copilot hängen am ganz normalen Suchindex. Wer Googlebot oder bingbot aussperrt, verliert beides gleichzeitig — Suche und KI-Antworten. Umgekehrt schaltet Google-Extended nur Gemini ab und hat auf die Google-Suche ausdrücklich keine Auswirkung.
Die Trainings-Crawler auszusperren ist legitim — manche wollen nicht, dass ihre Texte in einem Modell landen. Sperren Sie dann aber gezielt GPTBot und ClaudeBot und nicht die Such-Crawler gleich mit. Sonst nehmen Sie sich genau die Sichtbarkeit, die Sie eigentlich wollten, und behalten nur den Nachteil.
llms.txt: die Datei, die kaum jemand liest
Seit einiger Zeit wird eine Datei namens llms.txt beworben — eine Art Inhaltsverzeichnis für KI-Systeme. Das klingt einleuchtend und wird gern als Leistung verkauft.
Nur ist sie zwei Jahre nach ihrem Vorschlag immer noch kein Standard, und kein einziger großer Anbieter dokumentiert, dass er sie liest. Google sagt in seiner Dokumentation ausdrücklich, dass die Google-Suche solche Dateien nicht verwendet und dass ihr Anlegen der Sichtbarkeit weder nützt noch schadet. Messungen bestätigen das: In einer Auswertung von über 137.000 Domains bekamen 97 Prozent der vorhandenen llms.txt-Dateien überhaupt keine Abrufe; Logfile-Untersuchungen einzelner Websites finden über Monate eine Handvoll echter Zugriffe oder gar keine.
Der Vollständigkeit halber: Ganz tot ist die Datei nicht. In derselben Auswertung entfiel der größere Teil der wenigen Abrufe auf Programmier- und Entwicklungswerkzeuge. Für ein Softwareprodukt mit technischer Dokumentation kann sie also einen kleinen Zweck haben. Für die Auffindbarkeit eines Handwerksbetriebs oder einer Kanzlei in KI-Antworten hat sie keinen.
Was technisch tatsächlich hilft
Die gute Nachricht: Es ist dasselbe, was einer Website ohnehin guttut. Google ist da inzwischen ungewöhnlich deutlich — in seinem Leitfaden zur generativen Suche nennt es die Kürzel AEO und GEO beim Namen, ordnet sie schlicht der Suchmaschinenoptimierung unter und empfiehlt wörtlich, wirksame SEO-Strategien den „AEO/GEO-Tricks“ vorzuziehen.
- Der Text muss im Quelltext stehen. Das ist der größte technische Stolperstein. Googlebot und bingbot führen JavaScript aus; die Crawler von OpenAI, Anthropic und Perplexity tun das nicht. Eine Seite, deren Inhalt erst im Browser zusammengebaut wird, ist für diese Systeme leer. Der Test: Seite aufrufen, Quelltext anzeigen, nach einem Satz aus Ihrem Text suchen.
- Kurze Ladezeit und schlanke Seiten. Bei OpenAI gilt eine harte Grenze: Seiten über vier Megabyte werden nicht gekürzt, sondern komplett abgelehnt.
- Titel und erster Absatz müssen tragen. Im schnellen Antwortmodus öffnet ChatGPT die Seite in den allermeisten Fällen gar nicht, sondern arbeitet nur mit der Titelzeile und den ersten rund 200 Zeichen. Wenn dort eine Begrüßungsfloskel steht, ist das alles, was ankommt.
- Eine klare Gliederung mit echten Überschriften. Microsoft nennt das in seinen Richtlinien ausdrücklich: klare Überschriften, Tabellen und Frageabschnitte helfen dabei, dass Kernaussagen gefunden werden.
- Antworten statt Andeutungen. Wer eine Frage tatsächlich beantwortet — mit Zahl, Bedingung, Ablauf —, wird zitierbar. „Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie individuell“ liefert nichts, was jemand wiedergeben könnte.
Zu strukturierten Daten widersprechen sich die Anbieter offen: Google schreibt, für die generative Suche seien sie nicht erforderlich und es gebe kein besonderes Schema dafür; Microsoft empfiehlt sie aktiv, formuliert aber vorsichtig, sie könnten das Zuordnen unterstützen, ohne etwas zu garantieren. Bei OpenAI werden sie im Lesepfad sogar entfernt, bevor der Text beim Modell ankommt. Schaden tun sie nicht, und für die klassische Suche sind sie nützlich — als Hebel für KI-Zitate taugen sie nicht.
Der eigentliche Hebel liegt nicht auf Ihrer Website
Das ist die unbequeme Erkenntnis. Untersuchungen zur Quellenwahl zeigen durchgängig eine starke Neigung zu fremden, unabhängigen Quellen gegenüber dem, was ein Unternehmen über sich selbst schreibt.
Am deutlichsten wird das bei örtlichen Suchen. Eine Erhebung über 50 Ballungsräume und zehn Branchen fand bei ChatGPT diese Quellenverteilung: nur rund 10 Prozent der Angaben stammten von der Website des Betriebs selbst, dagegen etwa 46 Prozent aus allgemeinen Branchenverzeichnissen und weitere 27 Prozent aus örtlichen Verzeichnissen. Bei Google-basierten Antworten war das Verhältnis fast umgekehrt.
Für einen örtlichen Betrieb heißt das konkret:
- Einträge in Branchen- und Ortsverzeichnissen mit überall identischen Angaben zu Name, Anschrift und Telefonnummer;
- ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil mit echten Bewertungen;
- Erwähnungen auf fremden Seiten — Partner, Lieferanten, Presse, Vereine;
- und erst dann die eigene Website.
Eine Einschränkung gehört dazu: Das sind Beobachtungsdaten, keine Experimente. Dass Erwähnungen mit Sichtbarkeit einhergehen, ist gut gemessen; dass sie sie verursachen, ist nicht bewiesen — große Marken haben schlicht von allem mehr.
Was Sie messen können
Seit 2026 gibt es zum ersten Mal belastbare eigene Zahlen, und zwar kostenlos. Die Google Search Console weist die KI-Übersichten und den KI-Modus inzwischen in einem eigenen Bericht aus, allerdings nur als Impressionen ohne Klicks. Die Bing Webmaster Tools zeigen, bei welchen Anfragen Ihre Seiten in Copilot-Antworten herangezogen wurden.
Für ChatGPT, Claude und Perplexity gibt es nichts Vergleichbares. Jede Zahl, die Ihnen ein Anbieter dazu vorlegt, stammt aus eigener Messung von außen.
Warum niemand Ihnen eine Platzierung verkaufen kann
Dafür gibt es inzwischen eine handfeste Begründung. Eine Untersuchung, die dieselben Anfragen über Wochen hinweg wiederholt an vier KI-Systeme stellte, fand: Rund zwei Drittel der zitierten Quellen wechseln von einem Tag auf den anderen. Selbst dieselbe Frage, am selben Tag mehrfach gestellt, lieferte nur zu etwa einem Drittel dieselben Quellen. Der größte Teil dessen, was als Veränderung verkauft wird, ist schlicht Rauschen.
Wer Ihnen also eine „Platzierung in KI-Antworten“ garantiert oder Ihnen monatlich Kurven zeigt, die aus einer Einzelmessung pro Tag entstehen, verkauft Ihnen Zufall als Leistung. Es ist dieselbe Masche wie der Anruf mit dem versprochenen ersten Platz bei Google, nur mit neuem Etikett.
Es kursieren Werkzeuge, die unsichtbaren Text in Websites einbauen, der KI-Assistenten anweisen soll, die Firma als vertrauenswürdige Quelle zu behandeln — vermarktet als Wachstumstrick. Microsoft hat das untersucht und allein in einer Erhebung 50 solcher Versuche von 31 Unternehmen gefunden. Das ist Manipulation, nicht Optimierung: Google führt den Versuch, generative Antworten zu manipulieren, inzwischen ausdrücklich in seinen Spam-Richtlinien. Wenn Ihnen jemand so etwas anbietet, ist das der Moment, das Gespräch zu beenden.
Was bleibt, ist unspektakulär: erreichbar sein, verständlich schreiben, Fragen wirklich beantworten und dafür sorgen, dass andere Sie erwähnen. Das wirkt in der Suche, bei den KI-Systemen und bei den Menschen, die am Ende anrufen.
Stand: 2026-09-22. Die Angaben habe ich zu diesem Zeitpunkt anhand der Dokumentation der jeweiligen Hersteller geprüft. Anbieter ändern Adressen, Bezeichnungen und Menüwege ohne Ankündigung; prüfen Sie im Zweifel die Angaben Ihres Anbieters. Wer an fremden Systemen arbeitet, braucht die Erlaubnis des Betreibers.