Ein Relaunch, bei dem die alten Adressen nicht verloren gehen.

Warum Sichtbarkeit nach einem Relaunch meist an fehlenden Weiterleitungen hängt, wie Sie alle alten Adressen erfassen und welche Fehler Google ausdrücklich nennt.

Wer nach einem Relaunch Besucher aus der Suche verliert, sollte zuerst nicht auf das neue Design schauen, sondern auf die alten Adressen. Google kennt Ihre Seiten unter ihren bisherigen URLs, und Links von anderen Websites, Lesezeichen und Verzeichniseinträge zeigen genau dorthin. Laufen diese Adressen nach dem Umschalten ins Leere, geht verloren, was an ihnen hing.

Die Gegenmaßnahme ist unspektakulär: Jede alte Adresse bekommt eine dauerhafte Weiterleitung auf die neue Seite, die inhaltlich dasselbe beantwortet. Die eigentliche Arbeit steckt darin, vorher wirklich alle alten Adressen zu kennen — und darin, nicht alles auf einmal zu ändern. Google schreibt in seiner Hilfe zur Adressänderung, dass es wahrscheinlich Traffic kostet, wenn man mit dem Umzug zugleich Inhalte und URL-Struktur überarbeitet, weil Google die Seiten dann womöglich neu lernen und bewerten muss.

Zuerst: alle alten Adressen erfassen

Keine Quelle allein ist vollständig. Die meisten der folgenden nennt auch Googles Anleitung zur Website-Migration:

  • Die bisherige Sitemap, meist unter /sitemap.xml. Sichern Sie sie, bevor die neue Website sie überschreibt.
  • Die Search Console: Im Leistungsbericht unter „Seiten“ stehen die Adressen, die tatsächlich in der Suche erscheinen, und der Bericht Links zeigt, welche Seiten von außen verlinkt sind. Wie Sie beides lesen, steht in Search Console einrichten und lesen.
  • Das Redaktionssystem, das oft eine vollständige Liste aller Seiten ausgeben kann, und die Serverprotokolle der letzten Monate.
  • Dateien und Bilder: PDFs, Preislisten und Bilder haben ebenfalls Adressen, auf die andere verlinken können.

Daraus entsteht eine Tabelle mit zwei Spalten: links die alte Adresse, rechts die neue Seite, die dieselbe Frage beantwortet. Wer einen Relaunch in Auftrag gibt, sollte diese Tabelle ausdrücklich zum Lieferumfang machen; bei einem Relaunch, den ich baue, gehört sie dazu.

301, nicht 302

Weiterleitung ist nicht gleich Weiterleitung. Der Statuscode sagt Google, ob der Umzug endgültig ist:

CodeBedeutungWas Google daraus macht
301, 308dauerhaft verschobenwertet das Ziel als Signal dafür, dass es die maßgebliche (kanonische) Adresse ist
302, 303, 307vorübergehendfolgt der Weiterleitung, nimmt sie aber nicht als Signal für die neue Adresse

Für einen Relaunch ist also 301 richtig. Google empfiehlt dauerhafte Weiterleitungen, wenn sicher ist, dass sie nicht zurückgenommen werden, und zwar serverseitig, wo immer das technisch geht. Die Sorge, eine 301-Weiterleitung koste „Linkkraft“, räumt Google selbst aus: 301 und andere permanente Weiterleitungen führen nach Googles Angabe zu keinem Verlust an PageRank.

Nicht alles auf die Startseite

Der bequemste Fehler ist eine Sammelregel, die jede unbekannte alte Adresse auf die Startseite schickt. Google rät davon ausdrücklich ab: Viele alte URLs auf ein einziges, inhaltlich unpassendes Ziel wie die Startseite umzuleiten, kann Nutzer verwirren und als Soft 404 gewertet werden. Die Weiterleitung ist dann formal da, zählt aber womöglich wie eine fehlende Seite.

Zwei Ausnahmen gibt es. Wenn Sie den Inhalt mehrerer alter Seiten auf einer neuen zusammengefasst haben, dürfen alle alten auf diese eine zeigen. Und wenn es für eine Seite schlicht keinen Nachfolger gibt, ist ein sauberer Fehlercode 404 oder 410 die richtige Antwort. Das schreibt Google so, und nach Googles Hilfe beeinträchtigen 404-Fehler weder die Indexierung noch das Ranking der übrigen Website.

Keine Ketten

Ketten entstehen fast von selbst, besonders beim zweiten Relaunch: Die Adresse von 2015 leitet auf die von 2020, die jetzt wieder auf eine neue. Oder http:// leitet auf https://, das auf die Fassung mit www, und die erst auf die neue Seite. Der Googlebot folgt bis zu zehn Weiterleitungen hintereinander, Google empfiehlt aber, direkt auf das endgültige Ziel zu verweisen, und falls das nicht geht, im Idealfall höchstens drei und keinesfalls mehr als vier Weiterleitungen in Folge. Passen Sie deshalb beim Relaunch auch die alten Regeln an, sodass jede direkt auf die neue Adresse zeigt.

So sieht das in der .htaccess aus

Bei vielen Hostern mit Apache-Webserver lassen sich Weiterleitungen in der Datei .htaccess im Hauptverzeichnis eintragen. Zwei Schreibweisen sind üblich:

# Einzelne Seiten mit Redirect
Redirect 301 /leistungen.html https://www.beispiel.de/leistungen
Redirect 301 /preise.pdf https://www.beispiel.de/preise

# Genau eine Adresse mit RewriteRule (in der .htaccess ohne führenden Schrägstrich)
RewriteEngine On
RewriteRule ^team\.html$ https://www.beispiel.de/ueber-den-betrieb [R=301,L]

Drei Stolperstellen, die in der Apache-Dokumentation stehen und in der Praxis gern übersehen werden:

  • Ohne Statuscode ist Redirect vorübergehend. Fehlt die 301, schickt Apache eine 302. Das Gleiche gilt für RewriteRule mit einem bloßen [R].
  • Redirect erfasst alles, was mit dem Pfad beginnt. Eine Regel für /leistungen leitet auch /leistungen/heizung weiter und hängt den Rest an die neue Adresse an. Soll wirklich nur eine einzige Adresse umgeleitet werden, ist RewriteRule mit ^ und $ die sichere Wahl.
  • Nicht mischen. Die Reihenfolge, in der Apache Redirect und RewriteRule abarbeitet, hängt davon ab, wo sie stehen. Die Dokumentation rät selbst, für eine Aufgabe nur eines der beiden Module zu verwenden.

Baukästen und Redaktionssysteme wie WordPress haben dafür eigene Einstellungen oder Erweiterungen. Prüfen Sie dort, welchen Code sie tatsächlich senden.

Nach dem Umschalten

  1. Interne Links umstellen. Menüs, Texte und Fußzeilen sollen direkt auf die neuen Adressen zeigen, nicht über die Weiterleitung.
  2. Kanonische Angaben prüfen. Jede neue Seite soll im rel="canonical" auf sich selbst verweisen, nicht auf eine alte Adresse.
  3. Sperren aus der Bauphase entfernen. Ein vergessenes noindex oder eine sperrende robots.txt macht alles andere wertlos.
  4. Neue Sitemap einreichen und die Weiterleitungen stichprobenartig mit der URL-Prüfung testen.
  5. Beobachten. Schwankungen sind normal: Bei mittelgroßen Websites dauert es laut Google einige Wochen oder länger, bis die neuen Adressen die alten ersetzen. Im Bericht zur Seitenindexierung wandern die alten Adressen in die Zeile „Seite mit Weiterleitung“; tauchen dort viele alte Adressen unter „Nicht gefunden (404)“ auf, fehlt vermutlich eine Weiterleitung.

Die Weiterleitungen bleiben stehen, nach Googles Empfehlung möglichst lange und in der Regel mindestens ein Jahr. In diesem Zeitraum, so Google, lassen sich alle Signale einschließlich der Links von fremden Seiten auf die neuen Adressen übertragen. Aus Sicht der Besucher, schreibt Google, sollten sie am besten ohne zeitliche Begrenzung bestehen bleiben.

Wenn sich auch die Domain ändert

Zieht die Website auf eine neue Domain, gibt es in der Search Console zusätzlich das Tool zur Adressänderung. Es ist nur für den Wechsel von einer Domain oder Subdomain zu einer anderen gedacht, nicht für den Wechsel auf https, zwischen mit und ohne www oder für neue Pfade. Voraussetzung ist unter anderem, dass Sie mit demselben Google-Konto Inhaber beider Properties sind und die alte Startseite per 301 auf die neue weiterleitet. Behalten Sie die alte Domain mindestens ein Jahr, damit sie nicht jemand anderes übernimmt. Was beim Wechsel für DNS und E-Mail zu beachten ist, steht in Domain umziehen.

Stand: 2026-09-29. Die Angaben habe ich zu diesem Zeitpunkt anhand der Dokumentation der jeweiligen Hersteller geprüft. Anbieter ändern Adressen, Bezeichnungen und Menüwege ohne Ankündigung; prüfen Sie im Zweifel die Angaben Ihres Anbieters. Wer an fremden Systemen arbeitet, braucht die Erlaubnis des Betreibers.

Fragen

Häufige Fragen zu Weiterleitungen beim Relaunch

Muss ich wirklich jede alte Adresse einzeln weiterleiten?

Jede, die einen inhaltlichen Nachfolger hat, ja. Wo sich alte und neue Adressen nach einem festen Muster unterscheiden, etwa nur die Endung .html wegfällt, genügt eine einzige Regel für alle. Seiten ohne Nachfolger dürfen dagegen mit 404 oder 410 antworten — das ist besser als eine Weiterleitung auf eine unpassende Seite.

Reicht eine Weiterleitung per JavaScript oder Meta-Refresh?

Nur als Notlösung. Google empfiehlt serverseitige Weiterleitungen; ein sofortiger Meta-Refresh wird zwar als dauerhafte Weiterleitung gewertet, JavaScript-Weiterleitungen aber nur, wenn Google die Seite erfolgreich darstellen kann. Schlägt das fehl, sieht Google die Weiterleitung womöglich nie.

Kann ich die Weiterleitungen nach ein paar Monaten wieder löschen?

Besser nicht. Google empfiehlt, sie möglichst lange und in der Regel mindestens ein Jahr stehen zu lassen, aus Sicht der Besucher am besten unbegrenzt. Links auf fremden Websites und Lesezeichen zeigen weiter auf die alten Adressen, solange niemand sie ändert.

Nicht weitergekommen?

Dann übernehme ich das.

Wenn Sie wissen wollen, woran es bei Ihnen hängt, sehe ich mir Ihren Auftritt an und sage Ihnen ehrlich, was zuerst drankommt. Schreiben Sie mir in ein paar Sätzen, worum es geht — ich melde mich mit einer ehrlichen Einschätzung.