Ein Anbieterwechsel für eine Domain ist technisch unspektakulär und in der Praxis trotzdem der Vorgang, bei dem am häufigsten etwas ausfällt. Der Grund ist fast immer derselbe: An einer Domain hängt mehr als die Website. E-Mail, Nachweise gegenüber Diensten, Unterdomains für Warenwirtschaft oder Telefonanlage — all das steht in derselben Zone, und beim Umzug wird nur an die Website gedacht.
Mit einer Reihenfolge ist der Wechsel ohne merkbare Unterbrechung zu schaffen. Ohne sie steht im schlimmsten Fall zwei Tage lang der Mailverkehr.
Zwei Dinge, die gern verwechselt werden
- Der Umzug der Domain bedeutet, dass ein anderer Anbieter die Domain für Sie verwaltet und in Rechnung stellt. Inhaber bleiben Sie.
- Der Wechsel der Nameserver bedeutet, dass ein anderer Anbieter bestimmt, wohin Website und E-Mail zeigen.
Beides geht getrennt. Wenn Sie nur die Website zu einem neuen Hoster bringen, brauchen Sie die Domain oft gar nicht umzuziehen — es genügt, die Einträge anzupassen. Das ist der risikoärmere Weg, und häufig der richtige.
Vorher: die vollständige Zone sichern
Das ist der wichtigste Schritt, und er kostet zehn Minuten. Öffnen Sie die DNS-Verwaltung beim bisherigen Anbieter und sichern Sie alle Einträge — als Export, sonst als Bildschirmfoto jeder Seite. Achten Sie besonders auf:
- MX-Einträge — wohin E-Mails gehen;
- TXT-Einträge — SPF, DKIM und DMARC sowie Domainnachweise gegenüber Google, Microsoft und anderen;
- CNAME-Einträge für Unterdomains — Shop, Ticketsystem, Warenwirtschaft, Telefonanlage;
- A- und AAAA-Einträge, auch die, die niemand mehr kennt.
Was die Bezeichnungen bedeuten, steht im Beitrag DNS-Einträge verstehen.
Der neue Anbieter beginnt mit einer leeren Zone und trägt üblicherweise nur die eigene Website ein. In dem Moment, in dem die neuen Nameserver greifen, sind alle alten Einträge wirkungslos — also auch die MX-Einträge. E-Mails kommen dann nicht mehr an, und Absender bekommen das nicht immer gemeldet. Legen Sie die Einträge beim neuen Anbieter vor der Umstellung vollständig an.
Die Reihenfolge
- Zone sichern und abgleichen, welche Dienste tatsächlich an der Domain hängen.
- Beim neuen Anbieter alles vorbereiten: Website hochladen, Postfächer anlegen, alle Einträge der alten Zone nachbauen. Nichts davon ist bisher wirksam.
- Neue Website testen, bevor jemand sie sieht — die meisten Hoster bieten dafür eine Vorschauadresse.
- TTL senken, ein bis zwei Tage vorher, auf einen kleinen Wert. Erst wenn die alte, lange Gültigkeitsdauer abgelaufen ist, wirkt das wirklich überall — und erst dann lässt sich ein Fehler schnell zurücknehmen.
- Umstellen, und zwar an einem ruhigen Vormittag. Nicht freitagnachmittags: Wenn etwas hakt, wollen Sie jemanden erreichen können.
- Prüfen — Website, E-Mail in beide Richtungen, Unterdomains, Formular auf der Website.
- Das alte Paket noch nicht kündigen. Lassen Sie es zwei bis vier Wochen laufen. Es ist die Rückfallebene, und dort liegen Postfächer, die möglicherweise noch Nachrichten annehmen.
Wenn die Domain wirklich den Anbieter wechselt
Für .de-Domains brauchen Sie vom bisherigen Anbieter einen AuthInfo-Code. Den fordern Sie dort an, der Anbieter hinterlegt ihn bei der DENIC und teilt ihn Ihnen mit; damit löst der neue Anbieter den Wechsel aus. Der Code ist 30 Tage gültig und gilt für genau einen Wechsel — holen Sie ihn also erst, wenn Sie den Umzug auch durchführen.
Für den unangenehmen Fall, dass der bisherige Anbieter nicht reagiert, gibt es einen zweiten Weg: Der neue Anbieter kann die AuthInfo direkt bei der DENIC anfordern. Sie geht dann per Einschreiben an die Anschrift, die in den Domaindaten hinterlegt ist. Das dauert länger, aber Sie sind dem alten Anbieter nicht ausgeliefert.
Zwei Punkte, die im Vorfeld zu klären sind und die sonst später Ärger machen:
- Steht die Domain auf Ihren Namen? Nicht selten ist der frühere Webdesigner als Inhaber eingetragen. Dann gehört die Domain rechtlich nicht Ihnen, und ein Wechsel braucht dessen Mitwirkung. Das klärt man, bevor die Zusammenarbeit endet, nicht danach.
- Ist die Domain gesperrt? Viele Anbieter setzen eine Transfersperre, die vorher aufgehoben werden muss.
Was nach der Umstellung zu prüfen ist
Arbeiten Sie diese Liste wirklich ab — am besten von einem Gerät, das nicht in Ihrem Netz hängt, etwa einem Telefon im Mobilfunknetz:
- Website über
https://aufrufen, mit und ohnewww. - Zertifikat prüfen: Kommt eine Warnung, ist am neuen Ort noch keines ausgestellt.
- Eine E-Mail an eine Adresse der Domain schicken — von außerhalb, nicht aus dem eigenen Postfach.
- Aus der Domain heraus eine E-Mail versenden und prüfen, ob sie ankommt und nicht im Spam landet.
- Das Kontaktformular der Website absenden.
- Unterdomains durchgehen, die im Alltag jemand benutzt.
- Nach ein paar Tagen in der Search Console nachsehen, ob Fehler aufgelaufen sind.
SPF, DKIM und DMARC. Sie stehen als TXT-Einträge in der Zone, und wenn sie fehlen, funktioniert der Versand zunächst weiter — die Nachrichten landen nur zunehmend im Spam-Ordner der Empfänger. Weil das schleichend passiert, wird es selten mit dem Umzug in Verbindung gebracht. Siehe SPF, DKIM und DMARC.
Stand: 2026-09-22. Die Angaben habe ich zu diesem Zeitpunkt anhand der Dokumentation der jeweiligen Hersteller geprüft. Anbieter ändern Adressen, Bezeichnungen und Menüwege ohne Ankündigung; prüfen Sie im Zweifel die Angaben Ihres Anbieters. Wer an fremden Systemen arbeitet, braucht die Erlaubnis des Betreibers.